|











| |
Warnung vor der Pampe
Probleme mit dem Antrieb: Kette und Öl
| Der Boden
rund um Nierstein könnte verschiedenartiger nicht sein (siehe Weinlexikon); nach einer
ausgiebigen Tour hat man so ziemlich sämtliche verschiedenen Sorten an an seinem Fahrad
kleben, besonders an der Kette und den Ritzeln. Auch wenn man anschließend vorsichtig mit
Lappen und Gartendusche zu Werke geht, bleibt eines nicht aus: Kette und Ritzel sind
radikal entfettet und von einer feinkörnigen, Hühnerexkrement-farbigen Patina
überzogen. |

Kettenpflege. Was tun? Auf
jeden Fall die Kette nachfetten. Keinesfalls sollte man sie mit mit Waschbenzin oder
anderen niedrigviskosen und möglicherweise fettlösenden Mitteln behandeln; die schwemmen
den Dreck noch in die schwer zugänglichen Stellen hinein und das letzte Fett hinaus, was
den Verschleiß noch erheblich beschleunigt. Besser ist, die Kette mit einem öligen Lappen
abzureiben und anschließend kräftig nachzuschmieren. Aber womit? Hochviskose
Ketten-"Harze" mit der Konsistenz etwa von Honig haben zwar den Vorteil einer
guten Haftung, aber der Dreck bleibt hier wunderbar kleben und sogar größere
Körnchen werden noch schön zwischen Zähne und Kette gefördert, wo sie sich
schmirgelnderweise festsetzen. Es gilt also einen guten Kompromiß zwischen Haftung,
Arbeitsfähigkeit des Schmiermittels und dem Wartungsaufwand zu finden.
Anhaltspunkte für die optimale
Wartung:
| Einsatzgebiet |
Wetter/Umgebung |
Schmiermittel |
Wartung
nach der Tour |
Bemerkung |
| Straße |
trocken und warm |
Kettenhonig |
Nach Augenschein |
Am bequemsten |
| Straße |
trocken und kalt |
Motoröl |
Nach Augenschein |
- |
| Straße |
naß |
Motoröl |
Nach Trocknung der Kette etwas nachfetten |
Bei Regen kann die Kette durch Spritzwasser verunreinigt werden |
| Gelände |
trocken und warm |
Motoröl oder Bioöl |
Kette immer etwas nachfetten |
Es ist immer staubig |
| Gelände |
trocken und kalt |
Nähmaschinenöl |
Kette immer etwas nachfetten |
Bei Minusgraden ist Motoröl zäh wie Honig |
| Gelände |
naß |
Motoröl oder Bioöl |
Kette reinigen, nachfetten |
Je nach Verschmutzung |
| Gelände |
matschig |
Motoröl
oder Bioöl |
Kette
gründlich reinigen, ausgiebig nachfetten |
Lappen
allein genügt nicht |
Lebensdauer. Jetzt könnte man darüber
lamentieren, was ein Fahrad doch für ein empfindliches Gerät sei. Das ist zweifellos so
und - leider - einfach hinzunehmen. Seit Fahräder als Sportgeräte eingesetzt werden,
stößt insbesondere das offen geschmierte System "Kraftübertragung" an seine
Grenzen. Beim Fahrad kommt (im Gegensatz zum Motorrad) noch hinzu, daß Kette und Ritzel
neben der reinen Kraftübertragung noch eine Getriebefunktion erfüllen müssen, was die
Standfestigkeit des Systems weiter beeinträchtigt.
Trotzdem kann man mit mäßigem Wartungsaufwand beim Straßenfahrad Standzeiten von 10000
km und mehr ohne weiteres erreichen. Dagegen sind beim Geländerad insbesondere bei
regelmäßigen Schlammbädern und anderen Lustbarkeiten trotz intensiver Pflege manchmal
nur 1000 km drin. Außerdem wird die Kette wegen der höheren Drehmomente (kleine
Antriebsritzel) stärker und wegen der dynamischeren Fahrsituation im Gelände öfter
gedehnt als beim Straßenfahrad. Auch Schaltungsfehler und Schalten unter extremer Last
sind häufiger und entsprechend schädlich.
Kettenwechsel: Optimaler Zeitpunkt. Wird die Kette rechtzeitig
gewechselt, entfällt das teuere neue Ritzelpaket, das bei stark eingelaufener Kette sonst
ebenfalls fällig wäre. Den optimalen Zeitpunkt dafür bestimmt man mit Hilfe von
Kettenlehren wie zum Beispiel dem Roloff-Kettenkaliber.
Für Ritzel mit niedrigen Zahnprofilen (z.B. alle Shimano HG- und IG-Systeme) gilt
als Verschleißgrenze 0.075 mm, für Hochprofil-Systeme (Sachs Powerglide, Campagnolo) 0.1
mm.
Konnte man bei den älteren Uniglide-Systemen noch problemlos einzelne Ritzel zwecks
Reparatur oder exotischen Abstufungen in jedem besseren Fahradfachhandel einzeln
nachkaufen, so muß man zumindest bei den Shimano HG Systemen das ganze Ritzelpaket
abnehmen.
Kettenwechsel: Wie geht das? Wenn man
es noch nie gemacht hat, sollte man sich das von einem alten Hasen mal zeigen
lassen, selbst wenn man sein Fahrad professionell warten läßt. Denn es kann
durchaus mal vorkommen, daß man draußen in der Pampa, kilometerweit vom
nächsten Stützpunkt entfernt mit gerissener Kette auf dem Trockenen sitzt. Wie
das Schicksal es in aller Regel will, hat man auch ausnahmsweise sein Handy
vergessen oder der Akku ist leer oder ausgerechnet hier kein Empfang.
Wir brauchen: Einen Kettennietdrücker und eine abgerissene Speiche
Zum Lösen der Kette suchen wir uns ein Glied aus und legen es satt in
die dafür vorgesehene Form des Nietdrückers und halten es mit dem Daumen fest.
Jetzt die Schraube bis zur Niete leicht anziehen, kontrollieren, ob der Dorn
auch möglichst mittig auftrifft und ggf. nachjustieren. Jetzt mit Schmackes die
Schraube weiter zudrehen, bis der Nietstift auf der anderen Seite soweit
herauskommt, daß er gerade noch im gegenüberliegenden Plättchen steckt.
Schraube lösen und Kette auseinanderfallen lassen. Die neue Kette
wird nun abgelängt (entweder Glieder zählen oder neben die alte Kette hängen;
die Neue wird etwas kürzer (vielleicht ein halbes Glied) als die alte
abgeschnitten, natürlich nicht mit der Schere, sondern mit dem Nietdrücker,
siehe oben. Darauf achten, daß die Enden zueinander passen, der Schließstift
bereits auf der richtigen Seite im Plättchen stecken. Um die (neue) Kette zu
schließen, muß sie erst aufgelegt werden. Dazu führen wir sie um die Ritzel,
um das Kettenblatt (Tipp: Mit den Kleinsten hat man etwas weniger Spannung auf
der Kette und mehr Bewegungsfreiheit) und durch die Führungsrollen des
Schaltwerks. Jetzt kommt die abgerissene Speiche: Diese wird zu einem großen
"U" mit leicht einander zugeneigten Enden gebogen und in die
vorletzten Glieder der Kettenenden eingehängt. Die Kettenenden sollten sich gut
berühren. Jetzt den Kettennietdrücker ansetzen und die Enden zusammen in die
Aussparungen legen, die Schraube soweit zurückdrehen, daß der Schließstift
mittig am Dorn anliegt; zunächst behutsam zudrehen; immer wieder eine halbe
Umdrehung zurückfahren und schauen, ob der Dorn noch mittig führt und vor
allem, ob die Öse des Gegengliedes auch vom Schließstift getroffen wird. Wenn
der Schließstift gerade läuft, müßte er auch das Gegenplättchen treffen,
ohne es zu verformen. Ist der Schließstift soweit gedrückt, daß er aus beiden
Plättchen gleich weit herausragt, kann man die Kette herausnehmen und durch
Hin- und Herbiegen quer zur Fahrtrichtung das entstandene steife Glied lockern.
Wer ein Übriges tun will, der kann jetzt noch den Stift sichern, indem er das
Glied auf einen Amboß legt und mit einem Körner beidseitig eine Marke mitten
auf den Stift plaziert. Das Kettenschloßglied muß locker wie die anderen
Glieder fallen.
Patent-Kettenschloßglieder: Zur Zeit
in der Erprobung, nach über 5000 km noch keinen negativen Erfahrungen. Auf
jeden Fall im Pannen-Täschel mitführen, nach Hause halten sie allemal.
Ritzeltest. Hat man gerade die Kette
gewechselt und will wissen, ob die Ritzel noch gut sind, so schalte man in voller Fahrt
auf eines der mittleren Ritzel (+ mittleres Kettenblatt), gehe aus dem Sattel und ziehe im
Wiegetritt voll durch.
Wenn es jetzt in einem der mittleren oder kleineren Ritzel kracht
(Kettenübersprung), sind sie hin. Gut möglich, das das Ritzelpaket für jemanden mit
einem weniger elchmäßigen Antritt noch ausreicht (Frau oder Freundin), für Dich kommt
es nicht mehr in Frage. Also erst mal tauschen....
Probleme nach dem Kettenwechsel: Nicht
selten wird nach dem Kettenwechsel ein Übersprung einem ausgeleierten Ritzel
zur Last gelegt, obwohl etwas ganz anderes die Ursache ist: Ein steifes Glied,
mutmaßlich ein Nachbarglied des oder das Kettenschloßglied. Das kann
auch noch einige Wochen nach dem Kettenwechsel plötzlich auftreten, Ursache
kann Korrosion, Dreck oder beides oder evt. sogar ein sich lösendes
Kettenschloß sein. Feststellen kann man das ganz einfach: Man dreht den Antrieb
gegen die Fahrtrichtung und beobachtet das untere Ende des Schaltwerks (kann man
sogar während der Fahrt machen, aber Vorsicht, dabei kann es einen leicht auf
die Fre.... hauen, eigentlich gehören die Augen ja auf die Straße!). Zuckt das
reproduzierbar an einer bestimmten Stellen der Kette, hat man die steife Stelle
schon gefunden.
|