Mountainbiker im Pfälzer Wald
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Kommentar)
Kommunen planen touristische
Angebote mit Sport-Park/Naturschützer kritisieren Pläne

Wagemutig stürzt sich ein
Mountainbiker im Pfälzer Wald eine steile Abfahrt hinunter.
Einige Gemeinden möchten den Biker-Trend zur touristischen Belebung der
Region nutzen.
Foto: dpa
Allgemeine
Zeitung vom 29.09.2004
JOHANNISKREUZ (dpa) Mit dem Mountainbike durch den Wald, steile Abhänge
hinab und über Stock und Stein: Diese Sportart kommt vielerorts gut an.
Fünf pfälzische Verbandsgemeinden wollen den Trend touristisch nutzen und
im Pfälzerwald den landesweit größten "Mountainbike Park" mit einem über
300 Kilometer langen Streckennetz einrichten. Naturschützer und Wanderer
kritisieren das Projekt und weisen darauf hin, dass der Wald Teil eines
Biosphärenreservates ist. Für Oktober ist eine Informationsveranstaltung
mit allen Beteiligten bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD)
in Neustadt geplant, die in der Sache das letzte Wort hat.
Das Zentrum des Parks, so sehen
es die Pläne vor, soll das 473 Meter hoch gelegene Ausflugsziel
Johanniskreuz im Herzen des Pfälzerwaldes bilden. Von den umliegenden
Verbandsgemeinden Lambrecht, Kaiserslautern-Süd, Hochspeyer,
Waldfischbach-Burgalben und Rodalben sollen auf bestehenden Forst- und
Wanderwegen jeweils Routen in Form einer Acht ausgehen. "Der Mountainbiker
kann wählen, ob er eine kleinere Tour fährt, eine ganze Acht, oder ob er
eine weitere dranhängt", sagt die mit dem Projekt betraute
Geschäftsführerin der Werbegemeinschaft "Zentrum Pfälzerwald", Waltraud
Schneider. Die Nutzung der Routen ist kostenlos. Sobald die letzte
Genehmigung vorliege, könne mit der Beschilderung begonnen werden.
Mit dem Park wolle man einen
neuen "Tourismusbaustein" schaffen, der Bürgern und Gästen zu Gute komme,
sagt Schneider. "Wir haben hier die Topographie dafür."
"Konflikte minimal" Die mit der
Ausarbeitung betraute Fachfirma gehe davon aus, dass die möglichen
Konflikte minimal seien. Bei einer Umfrage in den Hütten des
Pfälzerwaldvereins und der Naturfreunde habe man nicht viel Kritik gehört
und sei "eigentlich auf offene Ohren" gestoßen. "Die Hütteninhaber und
-betreiber wären sehr froh, wenn weitere Zielgruppen die Hütten aufsuchen
würden." Auch die Natur werde berücksichtigt: Nach mehreren Gutachten -
unter anderem zur Verträglichkeit für Wildkatze und Luchs - habe man
Routen verlegt, andere seien weg gefallen.
Beim Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) Rheinland-Pfalz gibt es trotzdem Bedenken.
Vorstandsmitglied Heinz Schlapkohl weist darauf hin, dass das
Biosphärenreservat in verschiedene Schutzzonen eingeteilt ist: Eine Kern-,
eine Pflege- und eine Entwicklungszone. Der "Mountainbike Park" gehöre in
die so genannte Entwicklungszone - "aber sie sind brutal mitten in die
Pflegezone reingegangen, mit allen fünf Achten". Etwa 70 Kilometer Strecke
lägen in dieser Zone, in der Naturschutz Vorrang habe. Mountainbiker
sollten jedoch nur dort fahren, wo die Natur nicht zu sensibel sei. "Das
Auf und Ab kann man auch woanders finden, da muss man nicht in die
Pflegezone gehen." Die Initiatoren hätten aber keine Lust, umzuplanen. Die
Einteilung in Zonen ist noch nicht rechtskräftig.
Auch die rheinland-pfälzischen
Naturfreunde sind nicht davon begeistert, dass die Pflegezone berührt
wird. Man stehe solchen Projekten nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber
- "nur sollten sie sich aus sensiblen Zonen raushalten", sagt
Geschäftsführer Jürgen Schade. "Man kann den Park durchaus auf Wege legen,
die unproblematisch sind." Wie Schlapkohl wirft er den Initiatoren vor,
die Naturschützer seien nicht frühzeitig informiert worden. In einem
Biosphärenreservat könne man nicht machen was man wolle. Und zum Thema
Tourismus sagt Schade, auch eine ruhige Natur könne ein Pluspunkt sein.
Der Vorsitzende des Pfälzerwald-Vereins, Rainer Rund, sagt zu dem Park:
"Bitte nicht auf unseren markierten Wanderwegen."
Nora Schweikert von der
SGD-Pressestelle bestätigt, dass ein Teil der Strecken in der Pflegezone
liegt. Diese sei jedoch "keine Tabuzone" und könne wie die
Entwicklungszone problemlos befahren werden. Mit dem Park verfolge man
auch das Ziel, den starken Mountainbike-Tourismus zu bündeln, um die
Belastungen zu minimieren. Zudem gebe es bei dem Projekt kein
öffentlich-rechtliches Genehmigungsverfahren, sondern einen
zivilrechtlichen Gestattungsvertrag, der zwischen dem Träger des Parks und
den Kommunen und dem Land als Waldbesitzern abgeschlossen werde. In diesem
Fall müsse man kein Verbände anhören. Man habe es dennoch getan und viele
Belange berücksichtigt. "Wir sind jetzt in der Endphase der
Vertragsausarbeitung", sagt Schweikert.